Große Denker über den Weltenbau
Von Pythagoras und Platon über Kepler und Newton bis Planck und Dürr. Wie Wissenschaftler über die Ordnung der Welt dachten.
Viele große Denker tauchen verstreut in den anderen Kapiteln auf. Hier sind sie zusammengetragen, jeweils mit dem Gedanken, der für die Tetraktys wichtig ist.
Pythagoras und Philolaos
Alles ist Zahl. Die Welt ist nach Zahlenverhältnissen geordnet, und Erkennen heißt Zählen. Die Zehnzahl ist Anfang und Führer allen Lebens. Siehe Die antiken Quellen.
Platon
Im Timaios ist die Welt aus geometrischen Körpern aufgebaut, und die Weltseele nach den Zahlenreihen des Lambdoma geordnet. Über dem Eingang seiner Akademie soll gestanden haben, dass keiner ohne Kenntnis der Geometrie eintreten solle. Platon soll die Schriften des Philolaos gekauft und in den Timaios aufgenommen haben.
Johannes Kepler
Geometrie, Musik und Astronomie sind im Kern eins. Die geometrischen Urbilder sind Gedanken Gottes, nach denen Musik und Kosmos gebaut sind. Kepler ließ sich mit einem Zirkel in der Hand porträtieren, so wichtig war ihm das Studium der Geometrie. Siehe Sphärenharmonie und Die lückenlose Raumfüllung.
Isaac Newton
Der Physiker beschäftigte sich mindestens ebenso intensiv mit Alchemie, Kabbala und dem Rosenkreuzertum wie mit Mechanik. Der Übersetzer Ed Dellian, der Newtons lateinische Originalschriften neu herausgab, sieht die geometrische viergliedrige Proportion, eben eine Tetraktys, als Schlüssel zum Verständnis von Newtons eigentlicher Bewegungslehre.
Gottfried Wilhelm Leibniz
Er beschrieb den Sechsertakt 6n ± 1, in dem die Primzahlen liegen, und griff die Kombinatorik des Raimundus Lullus auf, aus der seine Idee einer universellen Zeichensprache und die mathematische Logik hervorgingen.
Max Planck
Der Begründer der Quantenphysik vertrat in einem oft zitierten Vortrag die Ansicht, dass es Materie an sich nicht gibt. Alle Materie entstehe und bestehe nur durch eine Kraft, hinter der ein bewusster, intelligenter Geist stehe. Nicht die sichtbare, vergängliche Materie sei das Wirkliche, sondern der unsichtbare Geist.
Hans-Peter Dürr
Der Physiker unterschied Verfügungswissen, das fragt, was man mit etwas machen kann, von Orientierungswissen, das fragt, was die Welt ist und wie wir in ihr stehen. Siehe Zahlentheorie + Geometrie = Philosophie.
Hans-Georg Gadamer
Der Heidelberger Philosoph beschäftigte sich in Der Anfang der Philosophie mit den Vorsokratikern. Er beobachtete, dass die antiken Lebensbeschreibungen fast jeden frühen Denker, von Anaximander bis Parmenides, als Anhänger des Pythagoras darstellen. Für ihn zeigt das, dass Pythagoras die großen Grundmotive in sich vereinte: das Rätsel der Zahlen und das Rätsel der Seele. Siehe Tod und Reinkarnation.