Harmonik

Sphärenharmonie – Sternpolygone im All

Verbindet man die Positionen zweier Planeten über Jahre hinweg, entstehen symmetrische Sternfiguren. Venus und Erde zeichnen eine fünfzählige Rosette.

Dass das Weltall wie ein Musikinstrument gestimmt sei, ist einer der ältesten Gedanken der Menschheit. Pythagoras soll der Legende nach die Sphärenmusik gehört haben. Seine Entdeckung, dass Konsonanzen einfachen Zahlenverhältnissen entsprechen, übertrug Platon auf den Aufbau des Kosmos.

Kepler

Zu Beginn der Neuzeit gab Johannes Kepler diesen Gedanken ein neues Fundament. In seiner Weltharmonik (Harmonices Mundi, 1619) versuchte er mit den von ihm entdeckten Planetengesetzen zu zeigen, dass in den Bewegungen der Planeten Verhältnisse herrschen, die musikalischen Intervallen entsprechen. Für ihn waren Geometrie, Musik und Astronomie im Kern eins, und was die Welt zusammenhält, waren geometrische Urbilder, göttliche Gedanken.

Kupferstich: die fünf platonischen Körper ineinander geschachtelt zwischen Kugelschalen, als Modell des Planetensystems
Johannes Kepler, Modell des Sonnensystems aus dem Mysterium Cosmographicum, 1596: die fünf platonischen Körper zwischen den Bahnen der sechs damals bekannten Planeten.

Früher hatte Kepler vermutet, die Abstände der sechs bekannten Planeten seien durch die fünf platonischen Körper bestimmt, und diese Theorie später aufgegeben. Warum ihn die fünf vollkommenen Körper so faszinierten, dass er sie auf das Universum übertragen wollte, beantwortet die Geometrie der lückenlosen Raumfüllung. Auch lange nach Kepler waren Schelling, Goethe, Hans Kayser, Hermann Hesse und viele andere von der Gültigkeit dieser Gedanken überzeugt. Die heutige Wissenschaft nimmt die Sphärenharmonie im Sonnensystem allerdings kaum ernst und nennt Keplers Vorstellungen eine schöne Träumerei.

Hartmut Warm

Der Ingenieur und Programmierer Hartmut Warm hat Keplers Idee in einer neuen Form wiederbelebt. Er untersuchte nicht die Abstände der Bahnen, sondern die Bewegungsmuster von Planetenpaaren über lange Zeiträume. Verbindet man die Positionen zweier Planeten in regelmäßigen Abständen mit einer Linie, entstehen erstaunlich symmetrische Figuren. Warm fand darin geometrische Formen und, auf die Akustik übertragen, Intervalle wie Terz, Quarte und Quinte. Seine Arbeit trägt den Titel Die Signatur der Sphären.

Linien zwischen zwei Planeten auf vereinfachten Kreisbahnen, gezeichnet über acht Umläufe des äußeren Planeten. Venus und Erde (Voreinstellung) ergeben eine fünfzählige Rosette, weil 8 Erdjahre fast genau 13 Venusjahre sind.

Die Rosette von Venus und Erde ist das bekannteste Beispiel: Acht Erdjahre entsprechen fast genau dreizehn Venusumläufen, und die fünf Begegnungen in dieser Zeit liegen auf den Spitzen eines Pentagramms. Ob diese Muster die Sphärenharmonie der Pythagoreer sind, bleibt offen. Ein direkter Zusammenhang mit der Tetraktys ist noch nicht nachgewiesen, aber wahrscheinlich.