Die Schule von Athen
In Raffaels berühmtem Fresko hält ein Junge Pythagoras eine kleine Tafel hin. Auf ihr steht die Tetraktys, zusammen mit der Musiktheorie der Pythagoreer.
Zwischen 1509 und 1511 malte Raffael im Vatikan die Schule von Athen. Das Fresko versammelt die Denker der Antike in einer gewaltigen Halle: in der Mitte Platon und Aristoteles, ringsum Sokrates, Euklid, Heraklit, Diogenes und viele andere.

Pythagoras und die Tafel
Links unten im Bild sitzt Pythagoras und schreibt in ein Buch. Vor ihm hält ein Junge eine kleine schwarze Tafel. Man übersieht sie leicht, aber sie ist sorgfältig beschriftet:

- Oben steht das griechische Wort ΕΠΟΓΔΟΩΝ, epogdoon, „ein Achtel darüber“. Gemeint ist das Verhältnis 9 : 8, der Ganzton.
- Darunter stehen die Zahlen VI, VIII, IX und XII, verbunden durch Bögen. Diese vier Zahlen enthalten alle Grundintervalle der pythagoreischen Musiktheorie: 6 : 12 ist die Oktave, 6 : 9 und 8 : 12 sind Quinten, 6 : 8 und 9 : 12 Quarten, und 8 : 9 ist der Ganzton.
- Unten ist ein Dreieck aus Strichen zu sehen, darunter die Zahl X. Das ist die Tetraktys mit ihrer Summe zehn.
Raffael hat Pythagoras also nicht mit dem Lehrsatz vom rechtwinkligen Dreieck dargestellt, für den er heute bekannt ist, sondern mit Musik und der Tetraktys. Zu seiner Zeit, in der Renaissance, galt genau das als das Kernstück der pythagoreischen Lehre: die Einsicht, dass Harmonie auf Zahlenverhältnissen beruht. Wie diese Verhältnisse klingen, kann man auf der Seite Zahl und Klang ausprobieren.