Weihnachten, der Thron Gottes und die Zahl 24
24 Älteste um den Thron, vier Gestalten mit je sechs Flügeln, der magische Kreis, der Adventskranz, der Johannistag und das Ægishjálmur. Die Zahl 24 in Mystik und Religion.
Zur Erinnerung, was die Zahlentheorie über die 24 sagt (siehe Die Zahl 24): Die Primzahlen ordnen sich als Zwillinge im Sechsertakt. Bis zur hoch zusammengesetzten Zahl 24 sind alle Zwillingsplätze besetzt, es gibt genau vier Sechsertakte. Ab 25 zerstört die Fünf diese Ordnung schrittweise. Auch in der Geometrie des Raumes, bei Kugelpackungen und ihren Symmetrien, hat die 24 große Bedeutung, und wieder im Wechselspiel von vier und sechs.
Das lässt sich als Gleichnis lesen: Bis zur 24 ist das Paradies in Ordnung. Mit der 25 beginnt der Sündenfall, der Fall in die Materie. Die Fünf gilt als Zahl des Menschen. Jesus wurde nach der Überlieferung in der Nacht zum 25. Dezember geboren. Am 24. ist Heiligabend, am 25. Weihnachten. Gott (7) kommt als Mensch (5) in die Materie (10), und durch die Materie hindurch geschieht die Veredelung des Menschen, das große alchemistische Werk.
Vier Sechsertakte bis 24, alle Zwillingsplätze besetzt. Die 25 ist der erste leere Platz.
Der Thron Gottes in der Offenbarung
Im vierten Kapitel der Offenbarung des Johannes wird der Seher in den Himmel gerufen und sieht einen Thron, auf dem einer sitzt, umgeben von einem Regenbogen. Um den Thron stehen 24 weitere Throne mit 24 Ältesten in weißen Gewändern mit goldenen Kronen. Vom Thron gehen Blitze und Donner aus, vor ihm brennen sieben Fackeln, die sieben Geister Gottes. Vor dem Thron liegt ein Meer wie Kristall, und um ihn stehen vier Gestalten: wie ein Löwe, wie ein Stier, mit einem Menschengesicht und wie ein fliegender Adler. Jede hat sechs Flügel, und sie rufen ohne Unterlass „Heilig“. Die 24 Ältesten fallen nieder und legen ihre Kronen vor den Thron.
Darin finden sich mehrere Zahlen des Sechsertakts wieder:
- Sieben: Bis 24 liegen genau sieben Primzahlen im Sechsertakt (5, 7, 11, 13, 17, 19, 23), den sieben Geistern Gottes entsprechend. Die Eins innerhalb des Sechsertakts steht für den Schöpfer: sechs Schöpfungstage, am siebten ruhte er. Zählt man 1, 2 und 3 hinzu, sind es zehn.
- 24: Die 24 Ältesten entsprechen der Primzahlordnung bis 24.
- 4 × 6: Die vier Gestalten mit je sechs Flügeln weisen auf die vier Sechsertakte bis 24. Die vier Gestalten haben dieselbe Bedeutung wie die vier Elemente Feuer, Luft, Wasser und Erde, also wie die Tetraktys, so wie sie die Mystiker von der Antike bis in die Neuzeit verstanden.
- Der Regenbogen um den Thron deutet auf die Oktaven der elektromagnetischen Wellen, ein Thema, das noch der Ausarbeitung harrt.
Zufall? Oder hatte der Seher Einblick in Wahrheiten, die der Zahlentheorie und Geometrie entsprechen? Beruhte eine frühe christliche Religionsphilosophie auf dem Wissen der Gnostiker, das uns verloren gegangen ist? Diese Fragen stehen zur Diskussion.
Zwölf Jünger, 24 Älteste
Die zwölf Jünger um Jesus, Gott in der Welt, und die 24 Ältesten um den Thron verhalten sich wie gerade und ungerade Zahlen, schon die Worte „Jünger“ und „Älteste“ deuten darauf hin. Geraden und ungeraden Zahlen wird traditionell die Polarität von weiblich und männlich zugeordnet, und den Gnostikern ging es, wie den östlichen Lehren, um die Überwindung dieser Polarität. Dass die zwölf Jünger die zwölf Tierkreiszeichen symbolisieren, ist kaum zu bezweifeln. Die zwölf Zeichen gliedern sich wieder in die vier Elemente, also in die vier Gestalten mit ihren sechs Flügeln.
Die Ägypter kannten schon den 24-Stunden-Tag, zwölf Stunden Tag, zwölf Stunden Nacht, wieder eine Polarität. Pythagoras soll lange in Ägypten gelernt haben. Allerdings gilt auch: Wer eine Zeiteinteilung erfindet, wird aus praktischen Gründen eine gerade, hoch zusammengesetzte Zahl wählen, um Brüche zu vermeiden. Die 24 wäre ein Favorit, auch ohne tiefere Gründe. Aber auch 16 oder 32 wären möglich gewesen.
Der magische Kreis
Besonders interessant ist der magische Kreis, wie er in Zauberbüchern wie der Clavicula Salomonis überliefert ist. In ihm spiegelt sich die Beschreibung des Throns erstaunlich genau, und er enthält die Sternpolygone, die für die Tetraktys unverzichtbar sind. Der Magier zieht den Kreis als Schutz, stellt sich in die Mitte, ruft die vier Elemente an und beginnt in Trance seine Handlungen. Die Symbolik soll also auf das Unbewusste wirken.
Der Aufbau eines magischen Kreises, schematisch: ein Quadrat mit vier Kreuzen, daran vier Hexagramme, außerhalb des Kreises vier Pentagramme, am Rand zwölf Felder.
In der Mitte steht ein Quadrat mit vier kreuzartigen Fortsätzen. Weil die Kreuze direkt am Quadrat ansetzen, ergeben sich 4 × 3 Spitzen, also zwölf. Jede Dreiergruppe weist auf ein Hexagramm, zusammen vier Sechssterne: die vier Gestalten mit ihren sechs Flügeln, und die vier Sechsertakte bis 24. Am Rand liegen die zwölf Tierkreiszeichen. Außerhalb des Kreises aber stehen vier Pentagramme.
Den vier Startfiguren lassen sich vier Größen zuordnen: Dreieck = 3 = Energie, Pentagramm = 5 = Zeit, Hexagramm = 6 = Raum, doppeltes Pentagramm = 10 = Materie. Die Botschaft des magischen Kreises wäre dann: Um sich mit dem Makrokosmos zu verbinden, müssen Zeit und Materie draußen bleiben. Und tatsächlich beginnt die Unordnung der Primzahlen nach der 24, mit 25 = 5 × 5. Das Pentagramm ist zahlentheoretisch 2,5.
Der Adventskranz
Die Ankunft Christi wird an vier Adventssonntagen erwartet. Von 1 bis 24 gibt es genau vier Sechsertakte, danach beginnt die Unordnung. Haben der magische Kreis und der Adventskranz mit seinen vier Kerzen dieselbe Bedeutung? Ist der Adventskranz ein Symbol für den magischen Kreis des bekanntesten Magiers des Abendlandes? Hinter solchen Fragen lauert eine unbequeme: Was war zuerst da, die Absicht einer Symbolschöpfung oder die Person Jesus? Man kann auch darüber nachdenken, was die Sternpolygone mit dem Stern von Bethlehem zu tun haben.
Die Merkaba
In genau derselben Bedeutung wie der magische Kreis, als Verbindung zum Makrokosmos, steht die jüdische Merkaba-Mystik. Die Merkaba ist der Thronwagen Gottes in der Vision des Ezechiel, getragen von denselben vier Gestalten wie in der Offenbarung. Der Talmud beschreibt ihre Schau als lebensgefährlich: Nur wer reinen Herzens und in reifem Alter ist, übersteht sie unbeschadet. In diesem Zusammenhang versteht sich auch die Bedeutung des Pentagramms als Schutzamulett, und die vier Pentagramme um den magischen Kreis.
Dargestellt wird die Merkaba als Sterntetraeder, ein dreidimensionales Hexagramm aus zwei durchdrungenen Tetraedern mit genau 24 Flächen. Es hat zwei wichtige Ansichten: eine sechszählige und eine vierzählige. Verbindet man seine Außenecken, erhält man einen Würfel, der einen 24-Flächner in sich birgt. Darin liegt eine Parallele zur Freimaurersymbolik der Arbeit am rauen Stein, der zum kubischen Stein werden soll.
Das Sterntetraeder mit seinem umschließenden Würfel: 24 Dreiecksflächen, acht Ecken.
Lévis Zeichnung des Cherubs mit vier Köpfen und sechs Flügeln, die er das „Pantakel des Pythagoras“ nennt (siehe Eliphas Lévi), zeigt in ihrer quadratischen Ansicht eine achtstrahlige Symmetrie, wie die Merkaba, wenn man sie entlang einer Würfelachse betrachtet.
Der 24-zöllige Maßstab und der Johannistag
Die Freimaurerei stammt aus den Steinmetzbruderschaften der Dombauer, die ihr Wissen angeblich bis ins alte Ägypten zurückführten. Ein wichtiges Symbol im Ritual ist der 24-zöllige Maßstab, der zu sorgfältiger Einteilung der Zeit mahnt. Die rituellen Arbeiten finden symbolisch „von Hochmittag bis Hochmitternacht“ statt, wieder 2 × 12.
Am 24. Juni 1717 schlossen sich vier bestehende Londoner Logen zur ersten Großloge zusammen, 4 × 6 = 24. Seitdem feiern Freimaurer weltweit den 24. Juni, den Johannistag. Das Fest der Geburt Johannes des Täufers zur Sommersonnenwende gab es aber schon lange vorher, als Gegenstück zu Weihnachten zur Wintersonnenwende (nach dem damaligen julianischen Kalender). Anlass war der Satz des Täufers über Christus: Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen. Johannes und Jesus stehen so für den längsten und den kürzesten Tag, Christus als Sonnensymbol. In der christlichen Freimaurerei verkörpert der Meister vom Stuhl, der im Osten sitzt, wo die Sonne aufgeht, die Person Jesu.
Vor dem Tempel der Großloge von England liegt eine Einlegearbeit mit einem Sechseck und einem Stern aus 2 × 12 = 24 Strahlen. In dieser 24er-Thematik steckt die Tetraktys: 1 + 2 + 3 + 4 = 10 und 1 × 2 × 3 × 4 = 24.
I Ging und Ægishjálmur
Ordnung und Herrschaft symbolisieren auch zwei Systeme aus ganz verschiedenen Kulturen, die sich frappierend ähneln: das chinesische I Ging mit seinen acht Trigrammen und das isländische Ægishjálmur, der „Helm des Schreckens“ aus dem Galdrabók, einem Zauberbuch mit Runen, Zeichen, Schutzsprüchen und Listen von Unglückstagen. Beide haben acht Achsen mit je drei Elementen: 8 × 3 = 24.
Das Ægishjálmur, als eigene Konstruktion: acht Arme mit je drei Querstrichen, zusammen 24.
Das Ægishjálmur galt in den nordischen Ländern als das wichtigste Amulett. Es sollte seinem Träger helfen, aus Chaos Ordnung zu schaffen und alle Aufgaben zu vollenden, und galt als so mächtiger Schutz, dass es nach der Christianisierung verboten wurde. Wer hier von wem abgeschrieben hat, ist nicht zu erkennen. Ob es sich um Zufall, Eingebung oder die Umsetzung mathematischen Wissens handelt, bleibt bei diesem Beispiel offener als bei den christlichen.