Mystik

Eliphas Lévi – Pentagramm und Hexagramm

Der französische Kabbalist des 19. Jahrhunderts machte Pentagramm und Hexagramm zu Kernsymbolen der modernen Esoterik.

Eliphas Lévi, eigentlich Alphonse Louis Constant (1810–1875), gilt als einer der einflussreichsten Okkultisten der Neuzeit. Kaum eine esoterische Strömung nach ihm kommt ohne seine Bilder und Begriffe aus, auch wenn sein Name selten fällt. In seinem Hauptwerk Dogme et rituel de la haute magie (Dogma und Ritual der Hohen Magie, 1854–1856) finden sich allegorische Zeichnungen, die gerade die Sternpolygone der Tetraktys in den Mittelpunkt stellen.

Das Pentagramm

Für Lévi ist das Pentagramm, das die Gnostiker den „flammenden Stern“ nannten, das Zeichen der Allmacht und der geistigen Selbstbeherrschung, der Stern der Magier und das Zeichen des fleischgewordenen Wortes. Je nach der Richtung seiner Spitzen stellt es das Gute oder das Böse dar: mit einer Spitze nach oben das Lamm, mit zwei Spitzen nach oben den Bock. Es ist Morgen- und Abendstern zugleich, Licht und Nacht. Alle Geheimnisse der Magie, alle Symbole der Gnosis und alle kabbalistischen Schlüssel sind nach Lévi im Pentagramm zusammengefasst. Schon Paracelsus habe es das größte und mächtigste Zeichen genannt.

Polygon3die Zahl selbst, ohne Teiler
Polygon mehrfach6 : 2 = 3n ist durch k teilbar
Sternpolygon5 : 2 = 2,5n und k sind teilerfremd
Sternpolygon mehrfach10 : 4 = 2,5n ist nicht durch k teilbar, hat aber einen gemeinsamen Teiler > 1

Pentagramm und Hexagramm gehören zu den vier Startfiguren der Tetraktys.

Baphomet

Die bekannteste Zeichnung Lévis ist der Baphomet, ein geflügeltes Mischwesen mit Bockskopf, das er als pantheistisches Bild des Absoluten verstand. Zwischen den Hörnern trägt es eine Fackel, das Licht der Offenbarung, und auf der Stirn ein Pentagramm mit der Spitze nach oben, das Zeichen der menschlichen Intelligenz. Die Hände weisen nach oben und unten auf zwei Mondsicheln, eine helle und eine dunkle, als Bild der Beziehung von Gut und Böse, von Barmherzigkeit und Gerechtigkeit.

Zeichnung: ein geflügeltes Wesen mit Bockskopf, einer Fackel zwischen den Hörnern und einem Pentagramm auf der Stirn, auf einer Kugel sitzend
Eliphas Lévi, Baphomet, aus Dogme et rituel de la haute magie, 1856.

An anderer Stelle hat Lévi die Figur anders und negativer gedeutet. Man kann in ihr den in die Materie gefallenen Engel sehen, Luzifer, den „Lichtträger“ mit der Fackel auf dem Kopf. Damit beginne der alchemistische Prozess: Sündenfall, Läuterung, Aufstieg. Deshalb trage das Pentagramm auch den Erlösungsgedanken in sich, als Stern von Bethlehem.

Die vier Gestalten und das Siegel Salomos

Eine weitere Zeichnung Lévis zeigt den Cherub aus der Vision des Ezechiel mit vier Köpfen und sechs Flügeln. Die vier Köpfe sind für Lévi die Vierheit der Merkaba, die sechs Flügel die Sechsheit der Schöpfungsgeschichte. Er nennt die Figur den Schlüssel aller Pentakel und das Pentakel des Pythagoras. Wie Lévi auf die Verbindung mit Pythagoras kam, ist offen. Dass sie besteht, ist nicht zweifelhaft.

Das große Siegel Salomos, das doppelte Dreieck, stellt Lévi als zwei Greise dar, den Gott des Lichts und den Gott der Spiegelungen, den Barmherzigen und den Rächenden. Das Hexagramm als Vereinigung von Gegensätzen ist dieselbe Figur, die im Sechsertakt für das Zusammenspiel von geraden und ungeraden Zahlen steht.

Mehr zum Cherub und zur Merkaba unter Der Thron Gottes und die Zahl 24.