Heilige Geometrie – Skepsis und offene Fragen
Blume des Lebens, Merkaba und platonische Körper. Was die Heilige Geometrie mit der Tetraktys verbindet und wo Skepsis angebracht ist.
Wer sich mit der Tetraktys beschäftigt, stößt früher oder später auf die sogenannte Heilige Geometrie. Beiden eilt der Ruf von Grenzwissenschaft und Esoterik voraus. Hier ist zu unterscheiden: Die Tetraktys lässt sich nachweisen, bei der Heiligen Geometrie dagegen bleiben einige Fragen offen.
Die Blume des Lebens
Vor allem die Blume des Lebens ist kritisch zu sehen. Das Muster aus sich überlagernden Kreisen im Sechsecknetz wird in esoterischen Kreisen als Urbild der Schöpfung gedeutet, aus dem sich angeblich alle Formen ableiten lassen.
Die Blume des Lebens: 19 Kreise im Sechsecknetz. Geometrisch ist es ein Ausschnitt aus der dichtesten Kreispackung, sechs um einen.
Geometrisch ist das Muster ein Ausschnitt aus der dichtesten Kreispackung der Ebene, dieselbe Struktur, die unter Kreis, Dreieck und Quadrat beschrieben ist. Die Ungereimtheiten liegen nicht in der Figur, sondern in den weitreichenden Behauptungen, die an sie geknüpft werden.
Die Merkaba
Interessante Parallelen gibt es dagegen bei der Merkaba. So wird in der Heiligen Geometrie das Sterntetraeder genannt, die Stella octangula Keplers. Es ist genau der Ausschnitt aus dem Kristallgitter der dichtesten Kugelpackung, dem das Gitter seinen Namen „kubisch flächenzentriert“ verdankt.
Das Sterntetraeder oder die Merkaba: zwei durchdrungene Tetraeder, deren acht Ecken einen Würfel bilden.
Den Namen Merkaba, der Thronwagen Gottes, und seine Bedeutung in der jüdischen Mystik behandelt Der Thron Gottes und die Zahl 24. Die platonischen Körper, die in der Heiligen Geometrie als Bausteine der Schöpfung gelten, zeigt Die platonischen Körper.
Was die Heilige Geometrie richtig sieht
Die Überzeugung, dass Kreis, Dreieck, Quadrat, Pentagramm und Hexagramm mehr sind als Schmuckformen, ist berechtigt. Die Begründung liegt aber nicht in Offenbarungen, sondern in nachprüfbaren Eigenschaften: Winkelsummen, Pflasterbarkeit, Teilbarkeit. Das Motto lautet: selbst nachzeichnen, nachrechnen und prüfen.